Gibt es neue Richtlinien, die bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz eingeführt worden sind?

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Gibt es neue Richtlinien, die bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz eingeführt worden sind? Welches sind diese und wie werden sie sich auf Arbeitgeber auswirken?

Die SARS-CoV-2 Pandemie hat auch nach nun mehr als 4 Monaten noch immer starke Auswirkungen auf unser wirtschaftliches und privates Leben. Die Menschen sehnen sich überall auf der Welt nach der alten Normalität, die es wohl so in absehbarer Zeit nicht geben wird. Trotzdem drängt natürlich die Wirtschaft zum Re-Start damit die Unternehmen die Krise überleben können. Die Situation ist dabei in den einzelnen europäischen Staaten sehr unterschiedlich und m.uss auf die jeweiligen Verhältnisse und Vorgaben der Regierungen angepasst werden

Die Unternehmer sind aber überall in der Pflicht ihre Arbeitnehmer zu schützen. Sie suchen in dieser für sie völlig neuen Situation nach Hilfestellung durch Richtlinien für die Rückkehr an die Arbeitsplätze. Dadurch würden sie bei ihren Entscheidungen die größte Rechtssicherheit erlangen können.

Keine Richtlinien, sondern Leitlinien

Im Vergleich zur Richtlinie ist eine Leitlinie eine empfehlende Handlungsanweisung ohne bindenden Charakter und nicht auf individuelle Situationen bezogen. Daher gilt grundsätzlich, dass eine Leitlinie empfiehlt, wogegen hinter einer Richtlinie normative Forderungen stehen. Eine Richtlinie ist so auf der einen Seite bindend, gibt aber auf der anderen Seite bei Erfüllung auch eine höhere Rechtssicherheit als eine allgemeine Leitlinie. Solche normativen Forderungen können allerdings aufgrund des aktuellen Wissenstandes zum Corona Virus nicht vom Gesetzgeber formuliert werden.

Denn: Die Informationen zum Coronavirus und dem damit zusammenhängenden Gesundheitsschutz entwickeln sich dynamisch. Beinahe täglich werden neue Studien bekannt, die aber in den meisten Fällen noch gar nicht abgeschlossen sind oder nicht ausreichend wissenschaftlich validiert sind.

Daher wurden seit Ausbruch der Pandemie von Organisationen wie der WHO, der EU und nationalen Institutionen immer „nur“ Leitlinien herausgebracht. Diese Leitlinien werden grundsätzlich ständig aktualisiert, unter der Voraussetzung, dass sich der Wissensstand geändert hat.

Die „EU-Leitlinie für die sichere Rückkehr zum Arbeitsplatz“ vom 24.04.2020 deckt folgende Bereiche ab:
  • Risikobewertung und geeignete Maßnahmen
  • Einbeziehung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
  • Betreuung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die krank gewesen sind
  • Planung und Lernen für die Zukunft
  • Über aktuelle Entwicklungen informiert bleiben
  • Informationen für bestimmte Branchen und Berufe
Aktualisierung der EU-Leitlinie zum 3.6.2020 auch für Büroarbeit?

In der Presse war zu lesen, dass die EU-Regeln am 3.6.2020 aktualisiert wurden. Dies bezieht sich allerdings darauf, dass das Corona-Virus, SARS-CoV-2, in die Liste der biologischen Arbeitsstoffe aufgenommen wurde. Daher wurde die „Richtlinie über biologische Arbeitsstoffe“ aktualisiert.

Sie dient der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen und bietet allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zusätzlichen Schutz – insbesondere denjenigen, die in Krankenhäusern, Industrie und Labors direkt mit dem Virus arbeiten.

Also für Büroarbeiter bleibt es bei den bisherigen „Empfehlungen“, wobei aktuell aufgrund neuer Erkenntnisse über die Ansteckung durch Aerosole diskutiert wird, die besonders in geschlossenen Räumen zum Tragen kommt. Demnach ist die Einhaltung eines Mindestabstandes zueinander weiterhin von größter Wichtigkeit. Wie groß dieser Abstand einzuhalten ist wird national unterschiedlich bestimmt. In der Regel sind es 1,5 bis 2 Meter, die eben auch Im Büroumfeld einzuhalten sind.

Was Arbeitgeber jetzt machen sollten

Die Verantwortung für ausreichenden Infektionsschutz liegt also letztendlich beim Arbeitgeber. Die Maßnahmen für den Infektionsschutz müssen auf die individuellen betrieblichen Verhältnisse angepasst sein. Das funktioniert am besten auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung (in Deutschland nach §5 ArbSchG). Dabei werden die individuellen Verhältnisse im Unternehmen auf Gefährdungen untersucht. Hieraus lassen sich dann die richtigen Maßnahmen für die Organisation, die Arbeit und die einzelnen Mitarbeiter entwickeln.

Das einfachste wäre die Gefährdung generell zu vermeiden. Da das im üblichen Büroumfeld nicht möglich ist, sieht die EU-Leitlinie vor, dass Arbeitgeber Büroarbeit „nach Möglichkeit im Homeoffice“ stattfinden lassen sollen. Sollen sie aber an den Arbeitsplatz zurückkehren, ist die Mehrfachbelegung von Räumen generell vermeiden, wenn die Schutzabstände nicht eingehalten werden können.

Technische Maßnahmen

Im ersten Schritt können technische Schutzmaßnahmen wie Trennwände, Screens und Handdesinfektion eingerichtet werden. Auch die organisierte Desinfektion von Türgriffen, Schaltern und sonstigen Oberflächen durch entsprechendes Personal gehört zu diesen Maßnahmen.

Organisatorische Maßnahmen

Im zweiten Schritt geht es dann zu den organisatorischen Maßnahmen wie Raumnutzung in Schichten, um durch leere Arbeitsplätze Abstände zu generieren. Je nach individueller Situation können auch durch Änderungen im Layout größere Abstände erreicht werden. Je nach Gestaltung der Bürolandschaft könnte dies z.B. dadurch erreicht werden, dass persönlich zugeordnete Arbeitsplätze gedreht werden so dass die Mitarbeiter Rücken zu Rücken sitzen.

Personenbezogene Maßnahmen

Die personenbezogenen Maßnahmen beeinträchtigen die Beschäftigten am meisten. In erster Linie gehören dazu die Mund-Nase-Schutzmasken, die auch in der westlichen Welt mittlerweile zum Alltagsbild gehören, oder Schutzanzüge und andere Schutzmittel. Häufiges waschen und desinfizieren der Hände sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Generell gilt, dass Schutzmaßnahmen dem jeweiligen Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen müssen. Daher sind in jedem Fall die individuellen betrieblichen Verhältnisse bei Festlegung der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Angesichts der dynamischen Entwicklung der COVID-19 Pandemie und widerstreitenden Aussagen der Wissenschaft ist es zur Zeit kaum möglich einen „festen Standard“ zu definieren. Daher wird dazu geraten einen „Beraterkreis“ zu benennen der die Standards der Unternehmen tagesaktuell anpassen sollte.

Weitere Informationen zur EU-Leitlinie für die sichere Rückkehr zum Arbeitsplatz finden Sie hier.

Jörg Bakschas ist ein unabhängiger Arbeitsplatzspezialist, Change Coach und Design Thinker. Er ist Mitglied mehrerer europäischer Komitees, die an der Entwicklung für Bürostandards arbeiten. 

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